Bericht des Präsidenten: Bilanz einer Amtsperiode

Schuen MoserFDer "Bericht des Präsidenten" an die Generalversammlung - Montag (20. April) ab 14 Uhr im ÖFB Campus Wien - wurde deshalb erst so spät verfasst, weil Michael Schuen (im Bild mit Italiens Radsport-Legende Francesco Moser bei der Tagung 2025 in Südtirol - @SMA) noch die Ergebnisse der AIPS-Wahlen und Beschlüsse des 88. AIPS-Kongresses in Lausanne vorige Woche in seine Ausführungen einfließen lassen wollte. Aber rechtzeitig vor der Versammlung wurde er fertig - siehe "Weiterlesen". In seinen diesmal längeren Ausführungen zieht der "Kleine Zeitung"-Sportchef Bilanz über seine erste Amtsperiode von vier Jahren, die eine durchaus erfolgreiche war. Schuen blickt in seinem Bericht aber auch schon in die Zukunft, die nicht nur Mutationen im Medienbereich erwarten lässt, auch intern in unserer Vereinigung stehen bald personelle Änderungen bevor. "Ich werde nicht ewig SMA-Präsident bleiben", sagt Schuen. Im Weltverband wurde in Lausanne beschlossen, dass niemand mehr mit 75 Jahren plus als Präsident kandidieren darf. Davon ist unser Chef zwar noch weit entfernt, aber man muss auch in diese Richtung denken und geeignete Maßnahmen vorbereiten. Nachstehend - bitte auf "Weiterlesen" klicken - der Bericht des Präsidenten an die Generalversammlung 2026.

Bericht des Präsidenten

an die GENERALVERSAMMLUNG 2026

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Vier Jahre vergehen mitunter wie im Flug - manchmal gibt es dabei Turbulenzen, manchmal ist es eine ruhige Reise. Wenn wir bei Sprachbildern sind: Die Airline

„Sports Media Austria“ ist auf Kurs. Ich erlaube das Urteil, dass dieser Kurs auch ein guter ist - und das ist angesichts des zunehmend rauer werdenden Klimas für sich schon eine Leistung.

  • Wir haben uns im Zuge der letzten Periode, meiner ersten als Präsident, selbst die und den Fragen gestellt, die jede Organisation begleiten: 
  • Warum gibt es die Sports Media Austria?
  • Was ist unsere Mission?
  • Was unsere Grundlagen?
  • Was können wir auf die Frage: Was hab‘ ich davon, dabei zu sein, antworten?

Wir haben Antworten gefunden und die auch kommuniziert. Und wir – und an dieser Stelle gebührt meinem gesamten Team des Vorstandes und insbesondere Generalsekretär Josef Langer ein großer Dank, arbeiten daran, diese Antworten auch mit Leben zu erfüllen. Ich will in der Folge ein paar Stichworte abhandeln, in denen sich die Arbeit dieses Teams, dessen Amtszeit in dieser Zusammensetzung bei dieser Generalversammlung endet, widerspiegelt.

Finanzen. Traditionell ist Sports Media Austria, auch historisch bedingt, nicht mit unerschöpflichen Reserven gesegnet, wir nagen aber auch nicht am Hungertuch. Wir haben es auch in den vergangenen vier Jahren geschafft, unseren Polster zu behalten, auch in schlechter werdenden Zeiten im Versuch reüssiert, sparsam zu wirtschaften und trotzdem unser gewohntes Service anzubieten. Wir danken in diesem Zusammenhang auch all unseren Unterstützern und Sponsoren – allen voran die österreichischen Lotterien und Coca Cola -, die uns seit langem die Treue halten und das auch hoffentlich weiterhin tun. Wir arbeiten aktuell noch immer an einer Lösung, wie wir weitere Sponsoren generieren können, ohne unsere Unabhängigkeit aufzugeben.

Kommunikation. Es ist in Zeiten der Informationsflut oftmals das größte Problem, das beste Mittel der Kommunikation zu finden. Zwar ist Joe Langer mit seinen Newslettern und vielen Updates auf der Homepage nahezu im Dauereinsatz, doch bleibt es eine Schwierigkeit, alle Mitglieder zu erreichen.

Wir haben zu Beginn der letzten Periode eine Erneuerung versprochen. Das Konzept der neuen Homepage ist lange fertig, zuletzt gab es durch einen krankheitsbedingten Ausfall des Webmasters über Monate aber eine ungewollte und nicht verhinderbare Verzögerung.

Des Weiteren bin ich nach vielen Gesprächen zum Entschluss gekommen, dass unsere neue Plattform im Bereich „Social Media“ auf LinkedIn entstehen wird – natürlich parallel zu Newsletter und Homepage. Das Beispiel der Deutschen Kollegen im VdS zeigt, dass man als Vereinigung eines Berufsstandes dort am besten aufgehoben ist und auch gut Interesse generieren kann. Neudeutsch gesprochen erweist sich LinkedIn offenbar als bester „Touchpoint mit allen Stakeholdern“.

Young Academy. Die SMA fühlt sich dem Ziel, die nächsten Generationen zu fördern (aber auch zu fordern) verpflichtet. Die Gründung der „Young Academy“, in der wir einen Raum für jene geschaffen haben, die noch auf dem Weg in den Beruf sind, hat Erfolge gezeigt. Weiterhin versuchen wir, zumindest einmal pro Jahr eine eigene Veranstaltung für die Young Academy mit interessanten Gästen auf den Weg zu bringen.

Seit mehreren Jahren lädt SMA zur jährlichen Tagung aus allen wesentlichen Redaktionen junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein, eine Idee mit Erfolg. Zudem sind auch heuer wieder bei unserer Tagung Studentinnen und Studenten des Lehrgangs Sportjournalismus der Universität Salzburg dabei, wir vergeben nach wie vor Stipendien. Unser Ziel ist es, diese Zusammenarbeit und auch jene mit der FH in Wien zu vertiefen und Möglichkeiten zu finden, wie wir die Lehrgänge auch dafür begeistern können, im Zuge ihres Studiums „Content“ für uns herzustellen.

SMA-Preis. Erstmals haben wir im Vorjahr mit der Tradition gebrochen, die Preise für die besten journalistischen Werke im Rahmen unserer Tagung zu vergeben. Die Zeremonie im Haus des Sports in Wien, unter Anwesenheit der Sportstaatssekretärin Michaela Schmidt war ein voller Erfolg. Aktuell sind wir noch auf der Suche, ob sich dieser in dieser Form wiederholen lässt.

Die Entwicklung des Preises und der einzelnen Kategorien aber liegt uns nach wie vor sehr am Herzen, die Einreichfrist für dieses Jahr läuft noch – ich hoffe, viele Kolleginnen und Kollegen machen von dieser Chance Gebrauch.

Netzwerk. Einst gegründet als Teil der Gewerkschaft, ist Sports Media Austria heute natürlich schon lange keine Gewerkschaft mehr. Wir verstehen uns als Netzwerk, aber sehr wohl als Interessensvertretung unseres Berufsstandes, der so viele Professionen vereint. Die „Netzwerk“-Treffen – der Fotografen, aber auch jener der schon in den Ruhestand übergegangenen Kollegen sind nach wie vor gelebte Tradition.

Vertretung. Sports Media Austria ist oftmals und durch verschiedenste Mitglieder des Vorstandes bei diversen Veranstaltungen vertreten. Das reicht von der dauernden Mitarbeit in der Task Force des Innenministeriums vor jedem internationalen Großereignis bis hin zu Auftritten wie dem „Sportgipfel Tirol“ in St. Anton u. v. m. Ich erlaube mir an dieser Stelle, auf die Aufzählung aller besuchten Veranstaltungen zu verzichten.

Internationale Vertretung.Österreich ist traditionell wichtiger Teil der internationalen Gemeinschaft, schon seit Zeiten von Michael Kuhn, von Günter Pfeistlinger und natürlich von Joe Langer - und seit nunmehr 9 Jahren auch durch meine Person.

Die vergangenen Monate gestalteten sich auf allen Ebenen schwierig und gipfelten in Neuwahlen am 11./12. April beim Kongress in Lausanne.

In der AIPS Europe war es davor zu tiefen Verwerfungen gekommen, weil ein Großteil des Exekutivkomitees zunächst im Alleingang eine „Abspaltung“ der europäischen Wahl und einen eigenen Kongress wollten. Vor allem die west- und nordeuropäischen Staaten mobilisierten dagegen alle Kräfte und setzten sich letztlich auch durch. Die Rechnung wurde dem „EC alt“ bei den Wahlen präsentiert.

Neuer AIPS Europe-Präsident ist der Franzose Marc Ventouillac, neuer Generalsekretär ist Zurab Tsalakvadze aus Georgien. Ich wurde – mit der höchsten Stimmanzahl aller zur Wahl stehenden Personen – wieder in die AIPS-Europe-Exekutive gewählt.

Auch im Weltverband gab es einen erbitterten Wahlkampf, letztlich waren nach dem Rückzug von Hee Don Jung aus Südkorea nur noch Langzeit-Präsident Gianni Merlo und die Ungarin Zsusza Czisztu übrig. Weil Ungarn aber speziell in Westeuropa als Treiber der Spaltung angesehen wurde, gab es auch hier einen letztlich klaren Entscheid für Merlo, der damit in seine sechste Amtszeit geht.

Klar ist, dass diese die endgültig letzte sein wird, denn die AIPS hat nun ein Maximum von drei Perioden für den Präsidenten und eine Altersobergrenze in ihre Statuten (wieder)aufgenommen.

Erfreulicherweise ist es auch hier gelungen, den Sitz für Österreich in der Exekutive durch Joe Langer zu behaupten – und das war angesichts der vielen verschiedenen Interessen bei dieser Wahl lange nicht klar.

Internationale Zusammenarbeit. Österreich war und ist gerne gesehen bei unseren Kollegen weltweit. So haben wir bei unserem Besuch in Deutschland eine Ausweitung der Zusammenarbeit vereinbart; der VdS hat einen eigenen „Campus“, der vor allem über Videokonferenzen bespielt wird. Eine Teilnahme für Österreicher soll hier möglich sein, auch die Schweiz könnte sich beteiligen.

Selbstverständlich ist es für alle SMA-Mitglieder auch weiter möglich, sich an allen Angeboten der AIPS zu bedienen und hier an vielerlei Veranstaltungen bzw. Interviews teilzunehmen. 

Sportler des Jahres. Die Wahl zu Österreichs Sportler:innen des Jahres ist unser Herzstück – die Gala hat sich unter der Organisation der österreichischen Sporthilfe entwickelt und zur „besten Gala dieser Art weltweit“ entwickelt. Ein Urteil, das von vielen internationalen Gästen kam, bis hin zum im Vorjahr ausgezeichneten Toto Wolff. Kehrseite der Medaille: Wir kämpfen Jahr für Jahr um Mitsprache in einigen Entscheidungen, sind aber hier auf gutem Weg. Und: der von vielen kritisierte frühe Termin ist Begleiterscheinung, damit wir eine Gala auf diesem Niveau machen können. Die Alternative wäre eine Rückkehr in die Anonymität.

Ich kann nur ersuchen, dass wir als Mitglieder dieser Vereinigung selbst nach außen mit Selbstbewusstsein auftreten und wissend sagen, dass wir auch im Oktober Sportl:innen des Jahres wählen können, weil wir trotzdem ein ganzes Jahr an Leistungen in die Beurteilung einfließen lassen.

Zukunft. Keiner weiß, was genau passieren wird. Wir erarbeiten aber mit der AIPS in vielen Dingen Richtlinien, haben uns (als AIPS) den Status (wieder) erobert, dass man mit uns spricht, unsere Meinung hört. So sind aktuell auch wieder Richtlinien im Umgang mit KI in unserem Beruf, aber auch der Umgang mit „Content Creators“ aus dem Sport selbst bei Sportveranstaltungen großes Thema.

Wir werden auch weiterhin versuchen, unsere jährliche Tagung in gewohnter Qualität zu organisieren und durchzuführen. Doch gestaltet sich auch das immer schwieriger, ohne massiv mehr finanzielle Mittel einzusetzen. In aller Bescheidenheit sei es gestattet, zu erwähnen, dass die Tagungen der letzten Jahre dank der Hilfe des Vorstandes, aber auch der Organisatoren und des ORF und vieler Verbände, die attraktive Gäste ermöglichten, zweifellos zu den besten zählten, die es je gab. Wir haben uns damit die Latte aber selbst auch sehr, sehr hoch gelegt.

Die größte Aufgabe der Zukunft wird es aber werden, Sports Media Austria auch in den handelnden Personen zu verjüngen, mehr Frauen für unsere Vereinigung zu begeistern und vor allem auch Nachfolger aufzubauen. Denn für die Position des Generalsekretärs, einige Mitglieder des Vorstandes und wohl auch die Position des Präsidenten wäre es in vier Jahren an der Zeit, geeignete Nachfolger zu finden.

Fazit. Viel ist gelungen, viel wurde getan – genug wird es nie sein. Ich darf für den Vorstand behaupten, dass alle versuchten, so viel wie möglich beizutragen. Ich danke allen, die ihre Zeit ehrenamtlich geopfert haben.

Ich danke insbesondere jenen, die aus dem Vorstand ausscheiden. Nach bzw. während dieser Periode waren das Gabi Jahn, die nun Vizepräsidentin des ÖOC ist, Alina Zellhofer, Christoph Zöpfl, Adi Niederkorn – und Ingo Rickl, der nach Jahrzehnten der Mitarbeit seine Funktion niederlegt. Allen sei ein großer Dank ausgesprochen!

Nun beginnt, in der Hoffnung, dass meine Liste gewählt wird, Periode II mit alten und neuen Aufgaben – und auch neuen Gesichtern. Ich freue mich sehr über jene, die sich bereit erklärt haben, mitzuarbeiten.

Auf ein Neues!

Michael SCHUEN - Präsident

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